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Denkmal oder denk mal nach Ein Denkmal ist im allgemeinen… Item Info
- Geschichte / Beitrag:
- Denkmal oder denk mal nach Ein Denkmal ist im allgemeinen Sprachgebrauch laut Duden eine „zum Gedächtnis an eine Person oder ein Ereignis errichtete, größere plastische Darstellung“. Panzerdenkmale gelten als eine sowjetische Erfindung, die auch auf DDR-Gebiet weit verbreitet war. Bei genauerem Hinsehen offenbaren sich in ihnen vor allem Pragmatismus und lokale Besonderheiten. Das gilt für die Zeit ihrer Aufstellung wie auch für den aktuellen Umgang mit ihnen. Panzerspuren im Salzgässchen • Hintergrund: Dieses Denkmal erinnert an den Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953, bei dem sowjetische Panzer T-34 eingesetzt wurden, um die Proteste in der Leipziger Innenstadt niederzuschlagen. • Gestaltung: Im Salzgässchen, nahe dem Markt und der Alten Handelsbörse, sind Bronzeplatten in das Pflaster eingelassen, die die symbolischen Panzerspuren darstellen. • Ort: Die Spuren befinden sich auf dem Fußweg zwischen dem Riquet-Haus und der Alten Handelsbörse. • Einweihung: Das Denkmal wurde 2014 angelegt, um an die Zerstörung eines Pavillons der „Nationalen Front“ und die Niederschlagung des Aufstands zu erinnern. Der in Leipzig geborene Schauspieler Eberhard Esche (1933-2006) schrieb in seinen Memoiren: „Am 17. Mai 1953 hatten wir in der Schauspielschule eine Prüfung im Fach Gesellschaftswissenschaften. Das Thema habe ich vergessen, doch nicht die Haltung des die Prüfung abnehmenden jungen Lehrers und nicht die unbestimmten fernen Geräusche. Der junge Dozent mit Parteiabzeichen wurde zunehmend blasser. (…) Es gab Menschenumzüge, die nicht von der Beschaffenheit waren, die man am 1. Mai, dem Kampftag der Arbeiterklasse her kannte.“ Zu dieser Zeit brannte vor der Alten Waage (hier mussten früher alle Waren gewogen werden, wonach der Zoll erhoben wurde, den sich die Stadt mit den Landesherren teilte) ein Pavillon der „Nationalen Front“. Unter den Arkaden kamen der betagte Schauspieler Curt Trepte und seine ihn beschützende junge Kollegin Elfriede Nee in ein handfestestes Gerangel mit jungen „politischen Erneuerern“. Curt Trepte verlor dabei fast sein Augenlicht. Viele Bürger sahen unbeteiligt zu. Man beargwöhnte sich. Auch anderorts in der Stadt ging es zur Sache: Akten wurden aus den Büros des Polizeipräsidiums in der Wächterstraße geworfen. In der Ritterstraße lagen Möbel und Papiere der dortigen FDJ-Zentrale auf der Straße. Auch die Mitarbeiter der Leipziger Volkszeitung verbarrikadierten sich in ihren Redaktionsräumen. Aus dem Barfußgässchen kommend schoss, so erinnerte sich nicht nur der Student Esche, ein Sowjetsoldat in die Luft. Ein T-34 Panzer fuhr neben der Alten Handelsbörse auf. Die nachgebildeten Ketten wurden nun, Jahrzehnte später, denkmalgerecht ins Straßenpflaster gepresst. Meist werden sie übersehen, an Markttagen stehen mitunter Verkaufsstände drauf. Nicht nur das bleibt widersprüchlich.
- Stadtbezirk / Ort:
- Zentrum
- Schlagworte:
- Pflaster DDR Geschichte Erinnerung Erbe Gedenkspuren Weg Infrastruktur Steinhandel
- Straße:
- Salzgäßchen
- Eingereicht am:
- 2026-06-04
- Beitragstyp:
- Text Foto
- Breitengrad:
- 51.340789
- Längengrad:
- 12.376098
Attribution
- Citation:
- "Denkmal oder denk mal nach Ein Denkmal ist im allgemeinen…", Leipziger Pflastergeschichte/n, Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), https://pflastergeschichten.leibniz-gwzo.de/items/pflaster_782360716.html