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Stolpern über die Erinnerung Oder ein Stein, ein Name, ein… Item Info

Geschichte / Beitrag:
Stolpern über die Erinnerung Oder ein Stein, ein Name, ein Rottenknecht, ein Mensch! Ich spaziere durch die Straßen von Leipzig, die an diesem Tag von der Sonne durchflutet werden. Langsam laufe ich, von den Sonnenstrahlen aufgewärmt, auf alt bekannten Pfaden, auf die sich selten ein Tourist verirrt, weil es scheinbar nichts zu entdecken gibt. Ein Irrtum. In diesem Moment schreite ich Geschichte ab. Unter meinen Füßen der Stolperstein von Fritz Wehrmann in der Brandvorwerkstraße 46 Fritz Wehrmann wurde am 7. Juli 1919 in Leipzig geboren. Er war unverheiratet und von Beruf Modellschlosser. Er wollte die Welt sehen und ging deshalb zur Marine. Anpassen konnte er sich jedoch nur schwer bzw. gar nicht… Das Verhängnis um die Ermordung des Leipziger Matrosen Wehrmann wurde 1970 mit dem Schauspieler Hans-Peter Reinecke in der Rolle des Fritz Wehrmann im DDR-Fernsehfünfteiler Rottenknechte verfilmt. „Rottenknechte“, ein Fachbegriff aus der deutschen Kriegsmarine. Zwei Schnellboote bildeten eine Rotte, der Kommandant des ersten Bootes war der Rottenführer, der des zweiten der Rottenknecht. „Schnellboote, besetzt mit jungen deutschen Marineoffizieren, durchfurchen mit hochgeschäumter Bugwelle die ruhige See, halten auf die Kamera zu, dazu singt Hans Albers „La Paloma“ – mit Seemannsromantik und Heldenpathos beginnt der Fünfteiler. Doch das Bild wird schon nach wenigen Sekunden unterbrochen, die Musik bricht mitten im Takt ab, auf dem Bildschirm erscheinen stumme Dokumentaraufnahmen des zerstörten Berlins. Kämpfende Soldaten, verelendete und verhungerte Menschen, Frauen und Alte zumeist: Es ist Frühling 1945, der verheerende Zweite Weltkrieg geht seinem Ende entgegen. Wie kann man jemanden wegen eines Kriegsverbrechens auf einem Boot, Schiff verurteilen, wenn der Krieg bereits vorbei ist? Wie kann jemand „fahnenflüchtig“, wie im Fall Wehrmanns und seiner Kameraden sein, wenn die Flagge schon unten war, sagte sein Bruder Hans-Joachim Wehrmann. Für ihn und laut Marinegesetz ist und war das keine Fahnenflucht mehr! Und wieso kann es ein Verbrechen sein, nach Hause zu wollen, wie Fritz Wehrmann und seine Kameraden. Am 10. Mai 1945 wurde Fritz Wehrmann im Alter von 25 Jahren auf einem Kriegsschiff in der Geltinger Bucht nahe Flensburg hingerichtet. Schreibtischtäter Petersen, der den Todesbefehl unterschrieb, wurde 1953 nach drei Prozessen in Hamburg freigesprochen. Die Toten mahnen. STOLPERSTEINE in und um Leipzig sind stumme Zeugen aus furchtbaren vergangenen Tagen. Sie sind Spuren des Erinnerns an ein sehr düsteres Kapitel deutscher Geschichte, welches sich niemlas wiederholen sollte.
Stadtbezirk / Ort:
Südvorstadt
Schlagworte:
DDR Geschichte Erinnerung Kriegsspuren Gedenkspuren Weg Infrastruktur
Straße:
Brandvorwerkstraße
Eingereicht am:
2026-06-09
Beitragstyp:
Text Foto
Breitengrad:
51.320436
Längengrad:
12.367424
Attribution
Citation:
"Stolpern über die Erinnerung Oder ein Stein, ein Name, ein…", Leipziger Pflastergeschichte/n, Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), https://pflastergeschichten.leibniz-gwzo.de/items/pflaster_784131797.html