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Bei der Neugestaltung des Leipziger Augustusplatzes im Jahr…
- Geschichte / Beitrag:
- Bei der Neugestaltung des Leipziger Augustusplatzes im Jahr 1998 wurden die beiden Natursteine „Rosa Porriño“ aus Spanien und „Etsch-Porphyr“ aus Südtirol großflächig als Pflaster- und Plattenbelag verbaut. Geochemisch weisen beide Gesteine eine sehr ähnliche, siliziumdioxidreiche Zusammensetzung auf, unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihrer geologischen Entstehung und ihrem Gefüge. Der spanische Granit „Rosa Porriño“ ist ein Plutonit (Tiefengestein), der vor rund 290 Millionen Jahren im Spätkarbon entstand. Das Magma kühlte in mehreren Kilometern Tiefe über Jahrtausende hinweg sehr langsam ab, wodurch die Minerale vollständig auskristallisieren konnten. Dieses langsame Wachstum bedingt das charakteristische, grobkörnige Gefüge des Steins, bei dem lachsrosa Kalifeldspäte, durchscheinender Quarz und dunkler Biotit-Glimmer mit bloßem Auge deutlich voneinander abgrenzbar sind. Der Südtiroler „Etsch-Porphyr“ hingegen ist ein Vulkanit (Ergussgestein), der wissenschaftlich als Rhyolith klassifiziert wird. Er entstand vor etwa 270 bis 280 Millionen Jahren im Unterperm durch den Ausbruch von Vulkanen der Etschtaler Vulkanit-Gruppe. Da die Lava an der Erdoberfläche schockartig abkühlte, verblieb den Mineralen keine Zeit für ein ungestörtes Kristallwachstum. Das Resultat ist eine sehr dichte, feinkörnige bis glasige Grundmasse von rotbrauner bis violetter Farbe, in die lediglich vereinzelte, größere Einsprenglinge eingebettet sind. Die Materialwahl für den Bodenbelag knüpft an die historische Funktion des Standorts als Verkehrsknotenpunkt an. Über das Areal des heutigen Augustusplatzes verlief im Mittelalter die Via Regia, eine der bedeutendsten europäischen Handelsstraßen in West-Ost-Richtung. An den Platz schließt der Grimmaische Steinweg an, dessen Name auf die frühe Befestigung dieses Abschnitts verweist. Während die meisten mittelalterlichen Verkehrswege unbefestigte Erdpisten waren, die bei Niederschlag verschlammten, erhielt der Grimmaische Steinweg ein festes Steinpflaster. Diese Maßnahme war notwendig, um den schwer beladenen Kaufmannswagen der Leipziger Messe eine ganzjährig tragfähige und wetterunabhängige Zufahrt zur Stadt zu gewährleisten. Durch die Kombination des verschleißfesten Granits und des druckfesten Rhyoliths wurde diese Funktion als hochbelastbarer Verkehrsweg 1998 modern fortgeführt. Professor Bernhard Winkler (1929–2024), ein Pionier bei der Konzeption moderner europäischer Fußgängerzonen, prägte mit seinem Entwurf von 1998 maßgeblich das heutige Erscheinungsbild des Leipziger Augustusplatzes. Um die rund 40.000 Quadratmeter große Freifläche städtebaulich zu ordnen und die historischen Sichtachsen zwischen Opernhaus und Gewandhaus zu betonen, entwarf er ein streng orthogonales, geradliniges Streifenraster. Die visuelle Strukturierung dieses großformatigen Plattenbelags basiert auf einem rhythmischen Farb- und Materialwechsel: Hellere Bahnen aus dem spanischen Granit „Rosa Porriño“ wechseln sich flächig mit dunkleren Zonen aus Südtiroler „Etsch-Porphyr“ ab. Durch diese geometrische Rasterung beruhigte Winkler die monumentalen Dimensionen des Areals und schuf einen multifunktionalen, barrierefreien Stadtraum, der gestalterisch an seine bekannten Verkehrsberuhigungskonzepte in Städten wie München oder Florenz anknüpft.
- Stadtbezirk / Ort:
- Zentrum
- Schlagworte:
- Pflaster Beton Granit Gehweg Porphyr DDR Geschichte Mobilität Sensorik Weg Infrastruktur Gesteinskunde Steinindustrie Steinhandel
- Straße:
- Augustusplatz
- Eingereicht am:
- 2026-07-14
- Beitragstyp:
- Text
- Breitengrad:
- 51.339176
- Längengrad:
- 12.38111
Attribution
- Citation:
- "Bei der Neugestaltung des Leipziger Augustusplatzes im Jahr…", Leipziger Pflastergeschichte/n, Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO), https://pflastergeschichten.leibniz-gwzo.de/items/pflaster_795826175.html